Unfall mit dem E-Bike: Wer zahlt für welche Schäden?

Immer mehr E-Bikes fahren auf Deutschlands Straßen. Dementsprechend steigt auch die Anzahl der Unfälle mit E-Bikes an. Die hohen Geschwindigkeiten, die auch ungeübte Radler mit einem Pedelec erreichen können, erhöhen das Unfallrisiko.

Mit der Verbreitung von E-Bikes in allen Altersgruppen, sind es auch nicht mehr fast ausschließlich Senioren, die in Unfälle verwickelt werden. Wie eine Studie der Allianz zeigt, ist das Risiko bei einem Unfall mit dem E-Bike tödlich zu verunglücken dreimal höher als bei einem Fahrradunfall. Dieses Risiko trifft alle Altersgruppen gleich. Doch nicht jeder Unfall mit einem Pedelec endet gleich tödlich.

Wie du dich nach einem Unfall korrekt verhältst und wer für welche Schäden aufkommt, kannst du hier nachlesen:

So verhältst du dich nach einem E-Bike-Unfall richtig:

Bist du mit deinem E-Bike Beteiligter eines Unfalls, musst folgende Schritte in der angegebenen Reihenfolge unternehmen, sofern du dazu in der Lage bist:

  1. Sichern der Unfallstelle: Das sollte, wie bei jedem anderen Unfall auch, die erste Maßnahme sein, um weiteren Schaden abzuwenden.
  2. Versorgung von Verletzten: Sind andere Beteiligte beim Unfall verletzt worden, verständigst du zuerst den Notruf. Erst danach musst du erste Hilfe leisten bzw. Hilfe holen, damit eine Erstversorgung stattfinden kann.
  3. Polizei rufen: Das ist nur notwendig im Falle eines Personenschadens oder wenn sich die Unfallbeteiligten nicht über den Unfallhergang einigen können. Hast du einen Krankenwagen gerufen, wird die Polizei automatisch mit dazu geholt.
  4. Unfallhergang und Schäden dokumentieren: Fertige ein Unfallprotokoll an und dokumentiere die Schäden an deinem E-Bike. Mache hier am besten Fotos von der Unfallstelle und von deinem E-Bike. Lass dir außerdem die persönlichen Daten der anderen Unfallbeteiligten geben. Du gehst auf Nummer sicher, wenn du den Personalausweis abfotografierst. Ist der Unfallgegner ein Autofahrer, notiere dir das Kennzeichen. Gab es Unfallzeugen, solltest du dir auch ihre Kontaktdaten geben lassen.
  5. Arzt aufsuchen bei leichten Verletzungen: Um eventuelle Schadenersatzansprüche geltend machen zu können, solltest du bei leichteren Verletzungen zeitnah nach dem Unfall einen Arzt aufsuchen.

Wichtiger Hinweis: Auch wenn du eindeutig schuld sein solltest am Unfall, gib vor Ort kein Schuldanerkenntnis ab. Dieses kannst du im Nachhinein nur schwer widerrufen. Im schlimmsten Fall weigert sich deine Versicherung für die Schäden aufzukommen.

Wer zahlt für die Schäden an deinem E-Bike und trägt die Kosten, wenn du verletzt wurdest?

Bei einem Unfall bleiben Schäden meist nicht aus. Im schlimmsten Fall bist du oder der andere Unfallbeteiligte sogar verletzt worden. Welche Versicherung die Schäden an deinem E-Bike übernimmt, hängt davon ab, ob du der Unfallverursacher bist oder nur Beteiligter. Das Gleiche gilt auch für Schadenersatzansprüche bei Verletzungen. Hier kommt es aber auch noch darauf an, ob du den Unfall fahrlässig, grob fahrlässig oder vorsätzlich verschuldet hast.

Fall A: Unfall mit einem Auto

Bist du mit deinem E-Bike in einen Autounfall verwickelt worden, wird in den meisten Fällen dem Autofahrer die Hauptschuld zugesprochen. Hast du ebenfalls einen Fehler gemacht, bekommst du als E-Bike-Fahrer häufig nur eine Teilschuld, da du der schwächere Verkehrsteilnehmer bist. Nur in seltenen Fällen, wenn du den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hast, wird dir als E-Bike-Fahrer die alleinige Schuld zugesprochen.

Du bist Unfallbeteiligter: Schäden am E-Bike

Ist der Autofahrer der Hauptschuldige des Unfalls, kommt seine Kfz-Haftpflichtversicherung für die Schäden an deinem Pedelec auf. Denn grundsätzlich trägt immer der Schuldige die Kosten. Wird dir allerdings eine Teilschuld zugesprochen, zum Beispiel von einem Drittel, werden die Kosten entsprechend aufgeteilt. Du musst dann ein Drittel der Kosten selbst zahlen, zwei Drittel trägt der Unfallgegner.

Eine Teilschuld wird dir nicht nur dann zugesprochen, wenn du einen Fahrfehler begangen hast. Auch eine Ordnungswidrigkeit, wie das Musikhören beim Fahren, reicht dafür aus. Viel weitreichender sind die Folgen, wenn du mit einem getunten E-Bike unterwegs bist. Selbst wenn du keine Schuld am Unfall trägst, wird dir in der Regel mindestens eine 2/5 Teilschuld zugesprochen. Beim E-Bike-Tuning verlierst du in der Regel außerdem sämtliche Versicherungsansprüche. Einige Gerichte sprechen E-Bike-Fahrern aufgrund der hohen Geschwindigkeiten, die erreicht werden können, eine Teilschuld zu, wenn sie keinen Fahrradhelm getragen haben. Auch wenn es rein rechtlich keine Helmpflicht für E-Bike-Fahrer gibt.

Du bist Unfallbeteiligter: Personenschaden

Wurdest du beim Unfall mit einem Auto verletzt, kannst du Schmerzensgeld verlangen. Dieses muss ebenfalls die Kfz-Haftpflichtversicherung des Autofahrers zahlen. Die Höhe des Schmerzensgeldes hängt unter anderem von deinen Verletzungen ab.

Hinweis: Schmerzensgeldforderungen sollten immer realistisch hoch angesetzt werden. Schießt du über das Ziel hinaus, wird die Forderung abgelehnt und du gehst leer aus.

Du wurdest beim Unfall verletzt und der Autofahrer hat Fahrerflucht begangen? In diesem Fall und auch wenn der Autofahrer nicht ausreichend versichert war und die Kosten nicht selbst tragen kann, kannst du dich an die Verkehrsopferhilfe wenden.

Du bist Unfallverursacher: Schäden am E-Bike

Trägst du die alleinige Schuld am Unfall, musst du die Schäden an deinem E-Bike aus eigener Tasche zahlen. Es sei denn du hast eine E-Bike-Versicherung abgeschlossen. Im Falle eines Unfalls übernimmt sie die Schäden an deinem Pedelec. Sie greift da, wo bei einem Auto die Kfz-Kaskoversicherung einspringt.

Du bist Unfallverursacher: Personenschaden

Selbst wenn du den Unfall mitverschuldet hast, kannst du einen Anspruch auf Schmerzensgeld gegen den am Unfall beteiligten Autofahrer haben. Die Höhe des Schmerzensgeldes kann sich verringern, wenn du grob fahrlässig gehandelt hast. Wenn du allerdings den Unfall vorsätzlich herbeigeführt hast, hast du keinen Anspruch auf Schmerzensgeld.

Fall B: Unfall mit einem anderen Fahrrad oder E-Bike

Bei einem Unfall mit einem anderen Fahrrad oder E-Bike ist die Schuldfrage meist nicht ganz so eindeutig. Hier kann ein Gutachten bei der Klärung helfen. Prinzipiell gilt für die Kostenübernahme aber auch hier: Der Verursacher des Unfalls muss die Kosten tragen. Haben die Beteiligten jeweils eine Teilschuld, werden die Kosten entsprechend geteilt.

Du bist Unfallbeteiligter: Schäden am E-Bike

Sind die Schäden an deinem E-Bike durch einen Unfall mit einem anderen Pedelec oder Fahrrad von diesem schuldhaft verursacht worden, zahlt die private Haftpflichtversicherung des Pedelec- oder Fahrradfahrers deine Reparatur. Besitzt der Unfallgegner keine private Haftpflicht, muss er die Kosten aus eigener Tasche zahlen.

Du bist Unfallbeteiligter: Personenschaden

Wurdest du beim Sturz oder Zusammenprall mit dem anderen Fahrrad- oder E-Bike-Fahrer verletzt, kannst du auch hier Schmerzensgeld verlangen. Das zahlt dann die private Haftpflicht des Unfallgegners.

Du bist Unfallverursacher: Schäden am E-Bike

Bist du der Unfallverursacher oder trägst zumindest eine Teilschuld, musst du, wie beim Unfall mit einem Auto, die Kosten komplett selbst oder anteilig übernehmen. Es sei denn, du besitzt eine E-Bike-Versicherung, die Unfallschäden abdeckt.

Du bist Unfallverursacher: Personenschaden

Du bist bei einem selbstverschuldeten Unfall verletzt worden? Dann springt

  1. die gesetzliche Unfallversicherung ein, wenn der Unfall auf dem Arbeitsweg passiert ist.
  2. deine private Unfallversicherung ein, wenn du den Unfall in deiner Freizeit verschuldet hast.

Wer kommt für Schäden des anderen Verkehrsteilnehmers auf?

Bei einem Unfall trägt selten nur einer Schäden davon. Welche Versicherungen die Schäden deines Unfallgegners abdecken, erfährst du hier:

Du bist Unfallbeteiligter: Schäden am E-Bike

Trägst du keine Schuld am Unfall, bist du fein raus. Sämtliche Kosten muss der Verursacher selbst übernehmen. Beim Auto würde die Kfz-Kaskoversicherung die Reparaturen zahlen, beim Fahrrad eine Fahrradversicherung mit Unfallschutz.

Du bist Unfallbeteiligter: Personenschaden

Trägst du keine Teilschuld, musst du natürlich auch kein Schmerzensgeld bezahlen.

Du bist Unfallverursacher: Schäden am E-Bike

Bist du schuld am Unfall, zahlst du deinen Schaden aus eigener Tasche. Es sei denn du hast eine E-Bike-Versicherung, die dich bei Stürzen und Unfällen absichert. Auch für die Reparaturkosten deines Unfallgegners musst du aufkommen, wenn du die alleinige Schuld am Unfall trägst. Daran beteiligen musst du dich auch, wenn du eine Teilschuld trägst. Dabei ist egal, ob du Schäden an einem Auto, einem Fahrrad oder Pedelec verursacht hast. In der Regel kommt deine private Haftpflichtversicherung in diesen Fällen auf. Diese solltest du unbedingt abgeschlossen haben. Sonst bleibst du auf den Kosten sitzen.

Du bist Unfallverursacher: Personenschaden

In welcher Höhe du im Falle eines Personenschadens gegebenenfalls ein Schmerzensgeld zahlen musst, hängt auch davon ab, ob du den Unfall fahrlässig, grob fahrlässig oder gar vorsätzlich herbeigeführt hast. Auch diese Kosten übernimmt deine Haftpflichtversicherung für dich.