Dürfen Kinder E-Bike fahren und ist das überhaupt sinnvoll?

Du bist leidenschaftlicher Biker und an den Wochenenden unternehmt ihr mit der Familie regelmäßig Fahrradtouren. Vielleicht bist du sogar auf einem E-Bike unterwegs? Auf jeden Fall sorgt das, was dir erst so richtig Spaß bringt, bei deinem Kind für ordentlich Frust: Du möchtest gerne länger unterwegs sein und auch die ein oder andere anspruchsvolle Steigung in deine Tour mit einbauen. Dein Nachwuchs hechelt allerdings nur genervt hinterher, weil die nötige Kraft und Ausdauer noch fehlen, um diese Passagen zu bewältigen.

Häufig kommt bei Eltern dann die Frage auf, ob es sinnvoll und überhaupt erlaubt ist, dem Kind ein E-Bike zu kaufen. Stehst auch du vor dieser Entscheidung und wägst Vor- und Nachteile ab? In diesem Artikel findest du wichtige Entscheidungshilfen:

Ab welchem Alter sind E-Bikes für Kinder erlaubt?
Ist ein E-Bike für Kinder sinnvoll?
Darauf solltest du beim Kauf eines Kinder-E-Bikes achten

Ab welchem Alter sind E-Bikes für Kinder erlaubt?

Es gibt verschiedene Zweiradtypen, für die die Bezeichnung E-Bike allgemein verwendet wird. Daher gibt es auf die Frage, ob Kinder E-Bikes fahren dürfen, keine allgemeingültige Antwort. Es muss klar sein, um welches Gefährt es sich genau handelt. Per Gesetz wird grundsätzlich zwischen diesen drei Elektrofahrrad-Typen unterschieden:

  • Pedelecs: werden umgangssprachlich als E-Bikes bezeichnet. Sie besitzen einen Hilfsmotor, der bei eigener Tretleistung anspringt und unterstützt. Eine Anfahrhilfe bis sechs Kilometer pro Stunde ohne Tretleistung ist erlaubt. Laut Gesetz dürfen Pedelecs eine maximale Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde erreichen.
  • S-Pedelecs: dürfen deutlich schneller unterwegs sein und bis zu 45 Kilometer pro Stunde fahren.
  • E-Bikes: gibt es in unterschiedlichen Geschwindigkeitskategorien, die schnellsten fahren ebenfalls bis zu 45 Kilometer pro Stunde. Allerdings kommt der Motor hier nicht als Hilfsantrieb zum Einsatz, sondern darf auch ohne jegliche Tretleistung anspringen.

Nur Pedelecs sind laut Gesetz dem Fahrrad gleichgestellt. Damit gelten für das Pedelec die gleichen rechtlichen Vorgaben wie für ein Fahrrad. S-Pedelecs und E-Bikes sind von dieser Regelung ausgenommen. Beide Elektrofahrrad-Typen sind erst ab einem höheren Alter zugelassen.

Gesetzliche Einstufung Höchst-geschwindigkeit Altersfreigabe
PedelecFahrrad25 km/h mit Treten
6 km/h Anfahrhilfe
Keine Altersbeschränkung
S-PedelecKleinkraftrad45 km/h ohne Treten 16 Jahre*
E-Bike bis 20 km/hLeichtmofa20 km/h ohne Treten 15 Jahre
E-Bike bis 25 km/hMofa25 km/h ohne Treten15 Jahre
E-Bike bis 45 km/hKleinkraftrad45 km/h mit Treten16 Jahre*

*Die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und NRW haben das Alter für den AM-Führerschein auf 15 Jahre herabgesetzt.

Neben der Altersfreigabe gibt es noch weitere Punkte bei der Nutzung der unterschiedlichen E-Bike-Typen zu beachten:

Zulassung/
Versicherungs-kennzeichen
FührerscheinHelm-pflichtRadweg erlaubt
Pedelecneinneinneinja
S-PedelecjaAllgemeine Fahrerlaubnis oder Führerschein der Klasse AMjanein
E-Bike bis 20 km/hjaAllgemeine Fahrerlaubnis oder Mofa-PrüfbescheinigungneinNur bei Freigabe für Mofa/E-Bike
E-Bike bis 25 km/hjaAllgemeine Fahrerlaubnis oder Mofa-Prüfbescheinigungja Nur bei Freigabe für Mofa/E-Bike
E-Bike bis 45 km/hjaAllgemeine Fahrerlaubnis oder Führerschein der Klasse AMjanein

Da nur Pedelecs für Kinder erlaubt sind, beziehen wir uns im Folgenden ausschließlich auf diesen Typ Elektrofahrrad, wenn wir „E-Bike“ schreiben.

Ist ein E-Bike für Kinder sinnvoll?

Die Frage, ob ein E-Bike für Kinder sinnvoll ist, stellen sich immer mehr Eltern. Denn gelten die Vorteile eines Elektrofahrrads nicht auch für Kinder? Selbst Experten sind sich hier uneinig über die Vor- und Nachteile, die ein Hilfsantrieb für Kinder bringt. Sie argumentieren, dass Kinder Bewegung brauchen und lieber selbst in die Pedale treten sollten. Andererseits sind einige Kinder gerade erst durch ein E-Bike motiviert Fahrrad zu fahren, insbesondere dann, wenn sie den Eltern ständig hinterherfahren, weil sich diese selbst mühelos mit einem E-Bike fortbewegen.

Einig sind sich alle darin, dass ein Kinder-E-Bike kein Alltagsgefährt sein sollte und im Straßenverkehr nichts zu suchen hat. Denn durch die höheren Geschwindigkeiten, steigt auch die Unfallgefahr. Ein Kinder-E-Bike sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn das normale Fahrrad als Fortbewegungsmittel gerade nicht ausreicht.

Die Entscheidung, ob ein E-Bike für dein Kind sinnvoll ist, können wir dir leider nicht abnehmen. Wir möchten dir aber eine Entscheidungshilfe geben und haben Argumente für und gegen den Kauf eines Kinder-E-Bikes gesammelt und für dich gegenübergestellt.

Ja, ein E-Bike für Kinder ist sinnvoll, wenn:

  • du selbst ein E-Bike besitzt.
  • ihr häufig anspruchsvolle Touren fahrt.
  • ihr euch bei der Touren-Planung aktuell einschränken müsst, weil dein Kind schwierige Passagen mit dem Fahrrad nur sehr langsam bewältigen kann.
  • dein Kind sicher auf dem Fahrrad unterwegs ist.
  • du bereit bist mindestens 1.500 Euro für ein Kinder-E-Bike auszugeben.
  • es kein Fahrradersatz sein soll und nur abseits des Straßenverkehrs zum Einsatz kommen würde.

Nein, ein E-Bike für Kinder ist nicht sinnvoll, wenn:

  • dein Kind gerade erst angefangen hat Fahrrad zu fahren.
  • das Kinder-E-Bike nicht zusätzlich zum Fahrrad angeschafft wird und auch im Straßenverkehr fahren soll.
  • ihr nur selten anspruchsvolle Fahrradtouren unternehmt.
  • dein Kind fit genug ist, längere Touren mit dem Fahrrad durchzuhalten.
  • ihr das E-Bike hauptsächlich im Urlaub einsetzen wollt.
  • du selbst kein E-Bike besitzt.

Darauf solltest du beim Kauf eines Kinder-E-Bikes achten

Kinder sind Leichtgewichte, E-Bikes hingegen sind in der Regel noch Schwergewichte. Aufgrund des Motors und Akkus sind sie meist deutlich schwerer als Fahrräder. Bevor ein Kind mit einem E-Bike umgehen kann, muss es das Fahrradfahren sicher beherrschen und sollte auch in schwierigen Situationen souverän mit Bremse und Gangschaltung umgehen können. Neben dem Fahren muss das Kind zeitgleich in der Lage sein, das Display zu bedienen, um die technischen Komponenten zu steuern.

Die Nachfrage nach Kinder-E-Bikes steigt. Viele Hersteller haben diesen Trend erkannt und entwickeln speziell auf die Kleinen angepasste E-Bikes. So gibt es Hersteller, die bereits 20-Zoll-E-Bikes für Vorschulkinder im Programm haben. Kinder-Pedelecs der neueren Generationen bringen häufig zumindest einige der folgenden Anpassungen mit:

  • Drosselung der Geschwindigkeit: Dadurch ist eine höhere Sicherheit garantiert. Meist wird das E-Bike bereits mit einer gedrosselten Geschwindigkeit von maximal 20 Kilometer pro Stunde ausgeliefert. Zusätzlich kann häufig die Geschwindigkeit über das Display noch weiter nach unten reguliert werden. Je nach Hersteller kann die Geschwindigkeit auf bis zu maximal 10 Kilometer pro Stunde gedrosselt werden.
  • Leichte 250-Watt-Akkus: Da Kinder leichter sind, brauchen sie nicht die volle Akkuleistung, die ein E-Bike für Erwachsene mitbringt. Die Reichweite dieser kleinen Leichtgewichte liegt, laut Herstellerangaben, bei circa 50 Kilometern und ist damit völlig ausreichend.
  • Hinterradmotor statt Mittelmotor: Häufig ist der Motor an Elektrofahrrädern für Kinder am hinteren Rad verbaut. Das spart neben dem kleineren Akku nochmal zusätzlich Gewicht.
  • Geringes Gesamtgewicht: Ein Kinder-E-Bike sollte deutlich unter 20 Kilogramm wiegen, damit es auch der kleine Fahrer beherrschen kann. Mit kleineren Akkus und leichterem Rahmenmaterial haben es einige Hersteller bereits geschafft, das Gewicht von Kinder-Pedelecs auf knapp über zehn Kilogramm zu reduzieren. Damit sind sie sogar leichter als so manches Kinderfahrrad.
  • Langsame Beschleunigung: Kinder-E-Bikes sind häufig mit Antrieben ausgestattet, die ein geringeres Drehmoment haben und dadurch langsamer beschleunigen. Kinder können dadurch besser die Kontrolle über das Bike behalten, wenn der Motor zugeschalten wird.
  • Kleinere Bremshebel: Kleinere Hände brauchen für einen sicheren Griff auch kleinere Hebel. Im Idealfall lässt sich auch die Griffweite der Bremshebel verstellen.
  • Notsteuerung für Eltern: Falls es doch mal brenzlig wird, erlaubt eine Fernbedienung, die häufig zusätzlich erworben werden kann, den Eltern die Notbremse zu ziehen. Damit kannst du in gefährlichen Situationen jederzeit eingreifen.

Bist du dir nach wie vor unsicher, ob es sinnvoll ist, für dein Kind ein Kinder-E-Bike zu kaufen? Dann empfehlen wir dir, zunächst ein Pedelec für dein Kind auszuleihen und eine längere Tour zu unternehmen. Am besten in einem Gelände, in dem ihr das E-Bike vorrangig einsetzen würdet. So könnt ihr in aller Ruhe austesten, ob das Kinder-E-Bike den erhofften Fahrspaß bringt.